Die
eigene Aussaat unserer Pfleglinge ist wohl eine der
interessantesten und auch dankbarsten Tätigkeiten in der
Kakteenkultur.
Diese Art der Vermehrung und Arterhaltung ist nicht so schwierig wie
vielfach angenommen, und vermittelt uns im Laufe der Aufzucht und
Weiterkultur des öfteren ein beglückendes
Gefühl, wenn man bei der Aussaat einige
grundsätzliche Vorraussetzungen beachtet.
Zur Aussaat benötigen wir :
Aussaatgefäß
Substrat
Saatgut
Aussaatgefäß:
Hierzu eignen sich z.B. flache Schalen die man mit einer klaren
Glasscheibe oder Folie abdecken kann oder wie ich auch schon gesehen
habe Sortimentskästen mit durchsichtigem Deckel. Im Handel
gibt es auch spezielle Behältnisse für unsere Zwecke
zu kaufen.
Leere Pudding- Joghurt- oder ähnliche Kunststoffbecher
ergeben, geschickt kombiniert, hervorragend geeignete
Minigewächshäuser. Ich selbst verwende schon seit 10
Jahren erfolgreich diese völlig kostenlosen, da nach Ihrer
eigentlichen Bestimmung als Abfall achtlos in den Gelben Sack
geworfenen Behältnisse für die Aussaat.
Egal für welches Gefäß wir uns entscheiden,
sollte der
Boden mit Abzugslöchern versehen werden, damit es nicht zu
Staunässe kommen kann und Bewässern von unten
möglich
ist. Auf die Löcher können wir nur verzichten, wenn
wir
sicher sind, das Substrat auch so nur gleichmäßig
feucht
halten zu können, denn Staunässe führt fast
zwangsläufig zum absterben der Sämlinge.
Substrat:
Das Aussaatsubstrat muss
strukturbeständig
locker
und sandig sein.
Wenn diese Bedingungen erfüllt sind, eignen sich z.B.:
handelsübliche Aussaaterde oder feine Kakteenerde die man auf
ca.
2-3mm aussiebt.
Auch lassen sich eigene Mischungen z.B. aus gleichen Teilen feinem Torf
und gewaschenem Sand oder anderen feinen mineralischen (nicht
alkalischen) Zuschlagstoffen
herstellen. Wichtig ist auf jeden Fall noch, das das Substrat keimfrei
ist.
Saatgut:
Saatgut beziehe ich im Kakteenfachhandel,
z.B. bei
den
unter Bezugsquellen aufgeführten Händlern.
Als Mitglied der DKG oder
des AFM
hat man auch die Möglichkeit von deren Samenlisten
zu bestellen.
Mischungen, die im Gartencenter angeboten werden, sind geeignet, wenn
man damit leben kann, daß man nicht die geringste Ahnung hat,
was man denn da gerade für Arten aussäht, da es sich
laut
meinen Erfahrungen um kunterbunt zusammengewürfeltes Saatgut
handelt.
Ich ärgere mich oftmals über meine Kakteen,
die aus
diesen Mischungen hervorgegangen sind, denn die lassen sich schwer
einer Art zuordnen, oder sind sogar Hybrieden unbekannter
Herkunft.
Vorbereitungen zur Aussaat:
Sehr
wichtig
für die Aussaat ist, das auf
Sauberkeit grosser Wert gelegt wird, da Keime von z.B. Schimmelpilzen
unsere Sämlinge innerhalb kürzester Zeit vernichten
können!
Aus diesem Grund reinige ich die Gefäße zur Aussaat
gründlich, und desinfiziere sie nach
Möglichkeit.
Das
Substrat
sterilisiere ich in einem ausrangierten Kochtopf.
Auf den
Boden des Topfes stelle ich einen Abstandhalter aus Metall, damit der
Leinenbeutel
mit dem Substrat nicht direkt auf dem Boden und nicht im Wasser steht.
Das Wasser im Topf bringe ich zum Kochen und achte dann darauf, das es
je nach Substratmenge1 bis 2 Stunden weiterkocht (eventuell
muß Wasser nachgeschüttet werden). Mit einem
Steckthermometer überprüfe ich die
Temperatur des
Substrates, das ich nach dieser Methode für mindestens 30
Minuten
auf 80-90°C Kerntemperatur erhitze. Besser als ein normaler
Kochtopf mit Deckel eignet sich mit Sicherheit ein Dampfdrucktopf.
Die Aussaat:
Nach dieser Prozedur lasse ich das Substrat
auskühlen, und kann es dann so in die Aussaatbehälter
geben.
Die
Oberfläche ziehe ich glatt ab, und kann dann, das
bereitgelegte Saatgut, gleichmäßig darauf verteilen
und leicht andrücken. Der Samen darf nicht
mit Erde bedeckt werden, damit er dem Licht ausgesetzt ist,
denn Kakteen sind Lichtkeimer.
In die Behälter gebe ich direkt beim Aussähen
Stecketiketten mit Name, Herkunft und Datum der Aussaat, damit ich die
Angaben später immer zur Verfügung habe.
Meine "Minnigewächshäuser" stelle ich dann solange in
Wasser, bis die
Erde, von unten durch die Löcher im Boden her, völlig
durchfeuchtet ist.
Vorsichtshalber
gebe ich zuvor 1 gr
Chinosol auf 1 L Wasser.
Dieses Mittel
hemmt die Entwicklung von Schadorganismen wie den gefürchteten
Vermehrungspiltz.
Falls doch ein fadenförmiges, weißes
Pilzgeflecht (Vermehrungspilz)
entsteht, kann man, wenn man es frühzeitig bemerkt, versuchen
nochmal mit
Chinosollösung zu sprühen.
Werden die Sämlinge trotzdem glasig ist der Inhalt des
betroffenen Saatgefäßes zu vernichten ,
bevor weitere infiziert werden (nicht auf den Kompost).
Die
Erde darf wärend des gesamten Keimprozesses nicht austrocknen
! Daher stülpe ich durchsichtige Becher über
die Aussaatgefäße.
Die Minigewächshäuser stelle ich dann auf
eine nach
Süd-Ost ausgerichtete Fensterbank, unter der sich auch ein
Heizkörper befindet. So kann ich bereits ab Anfang
März mit
der Aussaat beginnen.
An einem unbeheizten, aber unbedingt vor direkter
Sonnenbestrahlung geschützten Fensterplatz sollte man mit der
Aussaat etwas
später beginnen, da zum optimalen Keimen Temperaturen von 20
bis
30°C benötigt werden, .
Nach
einigen Tagen bis Wochen erscheinen dann die Kakteensämlinge
als kleine Kugeln.
Nach
dem Keimen streue ich das Substrat vorsichtig mit gewaschenem feinem
Kies
(Körnung
2-3mm) z.B. Aquarienkies ab,damit sich an der
Substratoberfläche keine Algen und Moose bilden.
Die
Abdeckungen nehme ich jetzt auch zwischendurch für einige
Stunden herunter, und nach weiteren 4-6
Wochen entferne ich sie ganz . So kann die
Erdoberfläche abtrocknen,
und die Sämlinge können nun
regelmäßig
besprüht oder vorsichtig gegossen werden.
Zur Ergänzung finden Sie auch gute Aussaatanleitungen unter
folgenden Links: